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Wie gefährdet ist die Reinheit unserer Wasser-Vorkommen?

Im Wasserkreislauf geht nichts verloren. Dank der Untersuchungen einiger Behörden wissen wir inzwischen sehr gut, dass unsere Wasservorräte zunehmend gefährdet sind – einige Beispiele:

Nitrat

Seit vielen Jahren überschreiten rund 10 Prozent der Trinkwassermessstellen in Baden-Württemberg den gesetzlichen Nitrat-Grenzwert von 50 mg/l. In Bayern waren es 2012 5,9 Prozent, in Nordrhein-Westfalen im Durchschnitt der Jahre 2010-2013 13,9 Prozent, wobei in einzelnen Landkreisen bis zu 40 Prozent aller Messstellen betroffen sind. Laut dem Oldenburg-Ostfriesischen Wasserverband gibt es in dessen Gebiet Landkreise in denen keine einzige Messstelle mehr den Grenzwert einhält.

Pestizidmetabolite

In fast der Hälfte aller Grundwassermessstellen in Bayern und Baden-Württemberg sind Pflanzenschutzmittel und ihre Abbauprodukte (Metabolite) nachweisbar, deren gesundheitliche Wirkung häufig noch unbekannt ist. Auch in einigen Mineralwässern wurden solche Metabolite bereits gefunden: Ökotest 7/2011 fand in 31 von 105 getesteten Mineralwässern Pestizidmetabolite, bei 17 Wässern überschritt die Belastung sogar den amtlichen Orientierungswert.. Ökotest 7/2013 konnte erneut in einem Fünftel der getesteten Mineralwässer Pestizidmetabolite nachweisen.

Süßstoffe

Diese Stoffe, die ursprünglich aus Diät- und Lightgetränken sowie aus Masthilfsmitteln stammen, wurden schon in 12 Prozent der untersuchten 214 Mineralwässer gefunden4, obwohl sie dort nicht hineingelangen sollten. Über das Abwasser sind sie in den Wasserkreislauf gelangt. Bei einer nach Risiko vorgenommenen Auswahl von 57 Grundwasser-Messstellen in Baden-Württemberg zeigten 86 Prozent der Messstellen Süßstoffnachweise.5 Flächendeckende Untersuchungen dazu gab es bisher nicht.

Weitere Verunreinigungen

In Leitungswässern, aber noch nicht in Mineralwässern, sind eine Vielzahl von Arzneimittel-rückständen nachweisbar. Zudem tauchen als ganz neues Problem perfluorierte Alkylsubstanzen in Wasser auf. Wurden in ersten Mineralwässern Werte im Nanogrammbereich gefunden (= 1 Milliardstel Gramm), so reichen erste Grundwassernachweise schon nahe an die duldbaren Höchstmengen von 300 ng/l heran.

Wir brauchen daher ein Reinheitsgebot für Mineralwasser.

 

Informationsquelle:
Die Behörden Baden-Württembergs dokumentieren und veröffentlichen seit vielen Jahren kontinuierlich die Qualität des Trinkwassers sowie von Mineralwässern (siehe z.B. „Grundwasserüberwachungsprogramm. Ergebnisse der Beprobung 2013“ der Landesanstalt für Umweltmessungen und Naturschutz Baden-Württemberg, Link: http://www.lubw.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/2693/. Der Freistaat Bayern hat mit dem Bericht des Landesamtes für Umwelt zu „Grundwasser für die öffentliche Wasserversorgung: Nitrat und Pflanzenschutzmittel – Berichtsjahre 2008 – 2012“ erstmals umfassend Daten veröffentlicht.

4 Ministerium für Ländlichen Raum, Ernährung und Verbraucherschutz Baden-Württemberg, Jahresbericht der Lebensmittelüberwachung in Baden-Württemberg 2010, S. 58.
5 Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg, Grundwasserüberwachungsprogramm - Ergebnisse der Beprobung 2013, S. 64-66.